Wenn Kinder weinen
Kinder trösten - nicht ablenken

Körper und Seele können leiden
Folgendes Szenario: Das Kind hat sich den Kopf an der Badewanne gestoßen. Eine dicke Beule entsteht. Vor Schmerz schreit das Kind auf und beginnt aus vollen Kräften zu weinen. Die Mutter kommt, hebt das Kind hoch. Dann geht sie mit ihm zum Fenster und sagt: „Guck mal, die Sonne scheint.“ Die Beule wird komplett ignoriert. Eine erschreckende Vorstellung? Allerdings. Doch leider ist sie viel zu oft Realität. Denn ein Kind kann sich nicht nur körperlich verletzen. Auch die Seele kann angeschlagen sein. Ein schlechter Traum, ein eingestürzter Turm, Ärger im Kindergarten… Es gibt viele Dinge, welche die Seele eines Kindes belasten können. Dieser Druck muss dann irgendwie abgebaut werden. Ein Kind hat hierfür keine andere Möglichkeit, als zu weinen. Hier sind dann die Eltern gefragt. Sie müssen für ihr Kind da sein und es optimal trösten. Leider fühlen sich viele Eltern mit dieser Aufgabe überfordert.
Ablenken hilft dem Kind nicht
Bei körperlichen Beschwerden, wissen die meisten Eltern, was zu tun ist. Eine dicke Beule muss gekühlt werden. Auf einen blauen Fleck kommt Salbe. Auf einen Kratzer klebt man ein Pflaster. Eltern können Verletzungen am Körper erkennen und etwas dagegen tun. Schwieriger wird es bei einem angeschlagenen Gemüt. Es ist schwer zu begreifen, wenn ein Kind scheinbar grundlos weint. Viele Kinder nehmen an sich unbedeutende Ereignisse zum Anlass, um ihren Druck abzubauen. Ein zerbrochener Keks oder die falsche Kleidung können solche Gründe sein. Manche Kinder tun auch absichtlich etwas Verbotenes. Sie wollen, dass die Eltern schimpfen, damit sie weinen können. Viele Eltern reagieren hierbei mit Ablenkung. Sie machen Blödsinn, bringen Spielzeug oder zeigen dem Kind aufregende Dinge. Sie wollen das Kind ablenken, damit es seinen Kummer vergisst. Doch das ist nicht der richtige Weg. Kinder, die nicht weinen dürfen, fühlen sich unverstanden. Sie denken, dass die Eltern sie nur ablenken und nicht wirklich trösten wollen. Dies führt dazu, dass die Kinder vor ihren Eltern nicht mehr weinen. Das bedeutet zwar Ruhe aber gleichzeitig auch angestaute Sorgen für das Kind. Diese bleiben unverarbeitet und belasten das Kind langfristig. Im schlimmsten Fall wird die Eltern-Kind-Beziehung gestört. Schließlich kann das Kind sich nicht darauf verlassen, dass seine Eltern im Ernstfall für es da sind.
Der richtige Trost
Der richtige Trost besteht vielmehr im Annehmen des Kindes. Man muss es in den Arm nehmen und seinen Frust herausweinen lassen. Viele Kinder wehren sich dabei und scheinen diese Geborgenheit nicht zu wollen. Das ist aber nicht der Fall. Halten Sie Ihr Kind daher, so dass es sich nicht verletzen kann. Es darf aber auch nicht den Eindruck bekommen, gefangen zu sein. Reden Sie Ihrem Kind gut zu und sagen Sie ihm, dass Sie für es da sind. Das Kind wird sich alle seine Sorgen von der Seele weinen und danach entspannt und ruhig sein. Ganz wichtig ist, dass Sie Ihr Kind in solchen Situationen niemals alleine lassen. Wenn Sie sich überlastet fühlen, bitten Sie Freunde und Verwandte um Hilfe. Es kann jedoch sein, dass Ihr Kind erst Vertrauen zu dieser Person fassen muss. Kinder weinen nämlich nur vor Menschen, denen Sie auch vertrauen. Wenn Sie Ihr Kind beim Weinen alleine lassen, wird es Angst entwickeln und Vertrauen verlieren. Gerade wenn es einem nicht gut geht, braucht man Menschen, die für einen da sind. Und erst recht als Kind. Gönnen Sie Ihrem Kind den Freiraum zum Weinen. Sie werden sehen, dass es sehr schnell entspannter sein wird und sich Ihre Beziehung verbessert.
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