Alternative zur Konformation

Bedeutung und Geschichte der Jugendweihe

Jugendweihen sind für Kinder um die 14 Jahre gedacht. Sie werden hier in die Welt der Erwachsenen eingeführt. Die Jugendweihe kann man also als weltliches Pendant zur Firmung oder Konfirmation verstehen. Zu Zeiten des Sozialismus wurde sie für die Propaganda missbraucht. Heutzutage erfreuen sich Jugendweihen vorn allem in den östlichen Bundesländern großer Beliebtheit. Alles, was es über die Jugendweihe zu wissen gibt, erfahren Sie hier.

Alles über die Tradition der Jugendweihe

Die Jugendweihe gibt es seit 1852. Sie wurde als Alternative zu den Initiationsriten Konfirmation und Firmung der Kirchen entwickelt. Unabhängig von religiösen Weltanschauungen sollte den Kindern hier eine moralische Erziehung zuteil werden. Die Jugendweihe viel meist mit dem Schulabschluss zusammen.

Deswegen wurden die Jugendlichen anschließend mit „Sie“ angesprochen. Bei der Feier selbst gab es feste Abläufe. So wurde zum Beispiel immer ein Vortrag des Jugendlehrers gehalten. Anschließend legten die Jugendlichen ein Gelöbnis ab. Zum Abschluss erhielten sie Erinnerungsblätter und ein Gedenkbuch. Zwischendurch wurden immer wieder Lieder gesungen und Texte vorgetragen.

Geschichte der Jugendweihe

Nach ihrer Einführung 1852 wurde die Jugendweihe rasch populär. Die Alternative zum Unterricht der Kirchen sprach viele Eltern und Jugendliche an. Bis 1890 hatte sich die Jugendweihe dann etabliert und ihre feste Form angenommen. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde die Jugendweihe dann verboten. Die Nazis wollten die Jugendlichen nach ihrem eigenen Weltbild und Selbstverständnis erziehen. Eine moralische Unterweisung war deswegen unerwünscht. Bald nach dem Krieg wurde die Tradition der Jugendweihe von den Freikirchen aber wieder aufgenommen.

In der DDR wurde die Jugendweihe erst 1954 erlaubt. Dies allerdings mit dem Ziel, sie für propagandistische Zwecke auszunutzen. Deswegen wurde die Jugendweihe von staatlicher Seite als Alternative zu Konfirmation und Firmung etabliert. Allerdings sollten alle Jugendlichen dazu gebracht werden, an der Jugendweihe teilzunehmen. Darum wurden alle, die es nicht taten, stark benachteiligt. Zum Beispiel, indem sie nicht zum Abitur zugelassen wurden.

Ein Jahr lang vor der eigentlichen Jugendweihe wurden die so genannten Jugendstunden durchgeführt. Hier gab es unter anderem Vorträge und Schulungen zu verschiedenen Themen wie Sexualität oder Politik. Doch auch unterhaltsame Bestandteile wie Tanzstunden oder gemütliches Beisammensein gehörten zur Vorbereitung auf die Jugendweihe.

Man kann jedoch sagen, dass diese Veranstaltungen stark dazu genutzt wurden, die Jugendlichen politisch in eine bestimmte Richtung zu drängen. Sie sollten die sozialistische Weltanschauung kennen lernen, annehmen und danach leben. Die eigentliche Jugendweihe ähnelte denen von früher recht stark. Der Unterschied war bloß, dass die Jugendlichen hier ihren Personalausweis erhielten. Zudem erhielten die Jugendlichen propagandistische Bücher. Im Anschluss verbrachten sie dann den Nachmittag mit der Familie, den Klassenkameraden und deren Familien. Bei den Jugendlichen war die Jugendweihe sehr beliebt. Das lag mit Sicherheit nicht zuletzt an den vielen Sach- und Geldgeschenken der Verwandten.

Nach der politischen Wende hatten Jugendweihen einen etwas bitteren Nachgeschmack. Sie galten als politisch motiviert und propagandistisch. Aus diesem Grund sind sie an manchen Schulen bis heute noch verboten. Trotzdem nehmen etwa 60-70% der Jugendlichen an einer Jugendweihe teil. Die genießen die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, das große Fest und die Geschenke. Durchgeführt werden die Jugendweihen heutzutage von freikirchlichen Einrichtungen oder von Vereinen.

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