Freizeit statt Freizeitstress
Freie Zeit für Kinder - Terminstress vermeiden

Entspannung in der Freizeit
“Diese Woche habe ich keine Zeit. Vielleicht nächste Woche für zwei Stunden“. Das ist nicht etwa die Antwort eines vielbeschäftigten Erwachsenen sondern die der zwölfjährigen Alina. Ihre Oma wollte sie gerne für einen Nachmittag zum Kuchenessen einladen. Gemütlich im alten Obstgarten sitzen, Geschichten erzählen und den Tag genießen. Doch dafür hat Alina keine Zeit mehr. Die Schülerin hat einen Terminkalender wie ein gut bezahlter Manager. Musik, Sport, Schule. Da bleibt wenig Zeit für Oma und einen freien Nachmittag.
Freizeitstress vermeiden
Freizeitstress bei Kindern ist heute ein weit verbreitetes Phänomen. Das liegt vor allem daran, dass Kinder heute wesentlich kontrollierter und organisierter aufwachsen als noch vor ein paar Jahren. Kindertherapeut Wolfgang Bergmann weiß: „Vor einigen Jahrzehnten konnten Kinder soziales Leben lernen, ohne dabei permanent von Erwachsenen kontrolliert zu werden. Das können sie heute nicht mehr.“ Und das liegt vor allem in der heutigen Leistungsgesellschaft begründet. Eltern möchten für ihr Kind natürlich nur das Beste. Eine möglichst gute Schulausbildung, aber auch Erfahrungen im musischen, sportlichen und kulturellen Bereich. Das Angebot ist riesig, die Möglichkeiten vielfältig. Schon früh brauchen Kinder einen Terminkalender. Denn oft beginnen Eltern mit der Freizeitplanung ihres Kindes schon in der frühen Kindheit. Babyschwimmen, musikalische Frühförderung, Englisch lernen. Schon die Kleinen sollen optimal gefördert werden. Doch Freizeit ist nicht nur ein verplanter Termin sondern auch eine Leistungsforderung. Einfach nur in den Schwimmverein gehen und Spaß haben? Zu wenig. Da muss schon eine Medaille beim Schwimmwettbewerb rauskommen. Früher, schneller, weiter. Kinder lernen schnell, dass es auf Leistung ankommt.
Freizeitstress kann krank machen
„Frühe Leistungsförderung kann in eine Sackgasse führen“, warnt der Kinderpsychologe. Untersuchungen aus der Lernpsychologie zeigen, je freier ein Kind aufwächst, desto intelligenter wird es. „Intelligenz wächst eben nicht, indem jede winzige Regung einer Begabung sofort gezielt gefördert wird. Das Gegenteil ist der Fall: Begabung braucht Zeit zu reifen.“ Und diese Zeit sollten Eltern ihren Kindern unbedingt ermöglichen. „Mit der ganzen Förderei tun die Eltern ihren Kindern in der Regel nichts Gutes. Sie sollten eher schauen, ihnen so viel freie und unkontrollierte Handlungsräume zu schaffen wie möglich“ empfiehlt Wolfgang Bergmann. Fragt man Kinder selbst nach ihren Vorlieben, wünschen sie sich eher mehr als weniger Aktivitäten. Zwar hat der Nachwuchs meistens endlos Energie. Nur sollte er seine Energie für Aktivitäten nutzen, die Spaß machen und nicht Stress bereiten. Denn nicht jedes Kind kann dem Leistungsdruck standhalten. Eltern sollten deshalb wachsam sein. Denn Kinder sagen nicht gleich, wenn ihnen etwas zu viel wird. Sie wollen die Eltern nicht enttäuschen. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern mögliche Symptome einer Überforderung früh erkennen. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche Kinder reagieren mit Bauch- oder Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen. Andere werden hyperaktiv, aggressiv, nervös oder völlig antriebslos.
Fördern und nicht Überfordern
Die richtige Mischung macht´s. Generell sollten Eltern ihre Kinder natürlich fördern und zur Leistung motivieren. Doch sollten sie ihrem Kind immer vermitteln, dass es kein Versagen ist, ein Ziel mal nicht zu erreichen. Eine schlechte Note in der Schule muss kein Drama sein, der verlorene Schwimmwettbewerb kein Weltuntergang. Freizeit sollte in erster Linie Spaß machen. Mit Gleichaltrigen zusammen sein, Selbstbewusstsein entwickeln, Freude am Lernen entwickeln. Das macht Kinder fit für die Zukunft. Dazu gehört auch mal Langeweile haben und eigene Ideen entwickeln und umsetzen. Wie viele Termine ein Kind pro Woche haben kann, richtet sich nach Alter und Wunsch des Kindes. Dabei kommt es vor allem auf die Unterstützung der Eltern an, weiß der Kinderpsychologe: „Je mehr ein Kind fühlt, es wird bedingungslos geliebt, desto unwichtiger wird es für sein seelisches Gleichgewicht, ob der Elfmeter im Tor sitzt oder nicht.“
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