Kinder nicht in Rollen drängen
Geschlechterollen - Ballett oder Fußball

Klassisches Rollendenken ablegen
Väter und Söhne
Geschlechterrollen beschäftigen vor allem Väter sehr. Sie sorgen sich um die Männlichkeit ihrer Söhne, wenn diese ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Ein echter Junge hat kein „rosa“ zu tragen. Echte Jungs begeistern sich für Sport, Autos und Kämpfereien. Ein echter Junge weint nicht. Fußballspielende oder rabiate Mädchen werden hingegen meist nur belächelt. Niemand denkt, dass sie ungewöhnlich wären. Schon kleine Kinder sehen sich also mit Klischees konfrontiert. Denn der Umkehrschluss gilt auch. Mädchen müssen brav sein, dürfen weinen und spielen mit Puppen. Viele Kinder experimentieren jedoch mit diesen Rollenbildern. Jungs kopieren nicht nur die Väter sondern auch die Mütter. Da ist die Lieblingsfarbe gerne einmal „rosa“. Auch Röcke und Kleider ziehen sie gerne an. Kommen dann noch lange Haare hinzu, wird vielen Vätern angst und bange.
Viele dieser Klischees treffen nun aber zu. So sind Jungs statistisch aufbrausender als Mädchen. Diese sind hingegen meist fürsorglicher.
Woher kommen diese Rollen?
Die Wissenschaft schlägt zwei Möglichkeiten vor: Entweder sie sind angeboren oder erlernt. Biologisch unterscheiden sich Mädchen und Jungen vor allem hormonell. Die Hormone Testosteron und Östrogen beeinflussen auch die Entwicklung des Gehirns. Daher denken Mädchen anders als Jungs. Sie haben beispielsweise eher Sprachbegabungen. Jungs können hingegen besser mit Zahlen umgehen. Allerdings darf die Biologie nicht überbewertet werden. Sie spielt eine Rolle, aber nicht die Hauptrolle. Viel entscheidender ist die Erziehung. Eltern denken oftmals (unbewusst) in Rollen und geben diese an ihre Kinder weiter. Zum Beispiel sind Väter häufig stolz, wenn ihr Sohn den Ellenbogen effektiv einsetzt. Töchter werden hingegen viel häufiger getröstet als Jungs. Von ihnen wird also keine Härte verlangt. Eltern haben nicht selten den Wunsch, dass ihr Kind einer bestimmten Rolle entspricht. Zumeist treten nur dadurch Konflikte auf.
Wie sollte man reagieren?
Zuallererst einmal gelassen. In den ersten drei Lebensjahren sind Kinder intensiv auf der Suche nach dem Ich. Wer bin ich? Was will ich? Wie sieht meine Persönlichkeit aus? Haben Kinder erkannt, dass sie eigenständige Personen sind, geht es erst richtig los. Jetzt wollen sie herausfinden, wie ihr „Ich“ zu den anderen Menschen passt. Dies kann durch verstärkte Forderungen und Selbstbezogenheit geschehen. Doch auch das Spielen mit Geschlechterrollen gehört dazu. Kinder kopieren zu diesem Zweck ihre Umgebung. Sie verhalten sich wie die Eltern und Geschwister. Allerdings nicht geschlechtsbezogen. Jungs orientieren sich beispielsweise am Kleidergeschmack der Mutter. Mädchen finden es vielleicht toll, mit ihrem Vater gemeinsam zu bolzen. Sie wollen sehen, wie die Umwelt auf ihr Verhalten reagiert. Erst ab etwa drei Jahren beginnen Kinder, sich in Rollen einzuleben. Sie wollen dazugehören und nicht auffallen. Daher verhalten sie sich so, wie es die Umwelt von ihnen erwartet. Als Eltern sollte man versuchen, möglichst offen zu sein.
Kinder nicht in Rollen hineindrängen
Entweder wird es sonst verschlossen und scheu oder bricht absichtlich aus der Rolle heraus. Vielmehr sollte man dem Kind seine Liebe signalisieren. Zeigen sie ihm, dass sie es annehmen, so wie es ist. Einen Einfluss auf die spätere Sexualität haben diese Spiele mit Geschlechterrollen nicht. Sie dienen der Ich-Findung. Jungs mit langen Haaren und der Lieblingsfarbe „rosa“ sind ganz normal und gesund. Sie werden ebenso hetero- und homosexuell wie alle anderen Kinder auch. Wichtig ist, dass das Kind sich selbst findet. Nur so kann es zu sich stehen und ein glückliches Leben führen. Versuchen sie als Eltern also, sich aus ihrem Rollendenken zu lösen. Nehmen sie das Kind an, so wie es ist. Dann wird es sich gesund und glücklich entwickeln.
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