Hilfe, mein Kind fremdelt

Fremdeln – natürliche Kindersicherung

„Gudi Gudi“… „Kille Kille“. Menschen sagen oft die lustigsten Dinge, wenn sie Babys zum Lächeln bringen wollen. Das klappt in der Regel auch. Die Belohnung ist ein vergnügtes Lächeln. Ist das Kind allerdings gerade in der Fremdelphase, erntet man mit solchen Versuchen dicke Tränen und angsterfülltes Gebrüll. Wann die Fremdelphase beginnt. Warum Kinder fremdeln. Und wie man damit umgehen sollte.

Fremdelphase bei Babys

Mareike krabbelt vergnügt und munter im Wohnzimmer hinter ihrem Klingelball hinterher. Ihre Mutter genießt das zufriedene Spiel ihrer neun Monate alten Tochter. Es klingelt. Die Nachbarin kommt auf eine Tasse Kaffee vorbei. Plötzlich ist Mareike gar nicht mehr zufrieden. In Windeseile krabbelt sie zu ihrer Mutter, klammert sich angsterfüllt an ihr Bein und will auf den Arm. Der Nachbarin schenkt sie weder Blick noch Lächeln, wie sie es sonst immer getan hat. „Was ist denn los mit der kleinen Mareike?“, fragt diese verständnislos, „Kann sie mich nicht mehr leiden?“. Mareike fremdelt, erklärt die Mutter.

Was ist Fremdeln?

Fremdeln hat nichts mit Verweigerung von Zuneigung oder mit „nicht mögen“ zu tun. Ganz im Gegenteil. Fremdeln ist ein großer und wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kindes. Entwicklungspsychologen beschreiben Fremdeln als heftige emotionale Reaktion beim Anblick von fremden Personen. Das kann von einem erschrockenen Anstarren oder sich versteifen bis hin zu lautem Schreien und sich an den Eltern festkrallen gehen. Diese Reaktionen treten in der Regel ziemlich plötzlich um den achten Lebensmonat herum auf. Deswegen nennt man Fremdeln auch die Acht-Monats-Angst. Wie stark ein Kind fremdelt, ist ganz unterschiedlich. Bei manchen Kindern genügt der pure Anblick eines Fremden, um sich angsterfüllt hinter Mama zu verstecken. Meistens zeigen Kinder aber auf Distanz noch positive Neugier. Sie reagieren nur verängstigt und abweisend, wenn derjenige versucht, ihnen zu nahe zu kommen.

Warum fremdeln Kinder?

Im Alter von sechs bis acht Monaten machen Babys riesige Schritte in ihrer Entwicklung. Die Wahrnehmung verändert sich. Die Augen werden besser. Das Kind erkennt nun auch andere Personen und nimmt sie als fremd war. Hatte es bislang noch jedem Mensch ein Lächeln geschenkt, kann das Baby nun unterscheiden zwischen vertraut und nicht vertraut. Und das macht natürlich Angst. Durch das Fremdeln wird die Bindung des Kindes zur primären Bezugsperson, also in der Regel Mama und Papa, gefestigt. Das ist besonders in dieser Entwicklungsphase wichtig. Denn immer häufiger gehen die kleinen Racker jetzt auf Entdeckungsreise. Sie fangen an zu krabbeln, beginnen sich aufzurichten, probieren auf wackeligen Beinchen das Stehen und Gehen. Ihr Aktionsradius vergrößert sich. Plötzlich können sie ihre nähere Umgebung auf eigene Faust erkunden: Was versteckt sich eigentlich hinter dieser Tür, durch die Mama immer geht? Erkundungstouren, die wichtig sind, aber auch gefährlich werden können. Gefahren können noch nicht erkannt oder eingeschätzt werden.

Deswegen  ist das Fremdeln eine Art „natürliche Kindersicherung“. Immer wieder kommen die kleinen Entdecker von ihrem Abstecher in das Nebenzimmer zurück, und holen sich die Versicherung: alles ist in Ordnung. Und dann geht’s wieder los mit der Eroberung der Welt.

Wie können Eltern helfen?

In dieser Phase ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder richtig verstehen und abweisende Reaktionen gegenüber Fremden nicht als Nerverei abtun. Kinder brauchen jetzt ganz besonders den Rückhalt und die Geborgenheit ihrer Eltern. Deswegen sollten Eltern die Signale ihres Kindes ernst nehmen und darauf eingehen. Den Kontakt mit fremden Personen zu erzwingen ist ganz und gar der falsche Weg. Nehmen Sie ihr Kind auf den Arm und gehen Sie ein paar Schritte zurück. So schaffen Sie eine räumliche Distanz und geben ihrem Kind die Möglichkeit, den Fremden aus sicherer Entfernung etwas genauer zu betrachten.

Lassen sie ihr Kind spüren, dass alles in Ordnung ist. Oft lässt der neugierige Blick von Mamas Schulter dann auch nicht lange auf sich warten. Zwingen Sie ihr Kind nicht, der anderen Person die Hand oder gar ein Küsschen zu geben Auch wenn  Oma oder Tante beleidigt sind. Denn Fremdeln ist eine Lebensphase, die sich bis zum 15. Lebensmonat gelegt hat. Und dann bekommt die Nachbarin von der kleinen Mareike auch wieder ein breites Lächeln zur Begrüßung geschenkt.

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